Thema der Woche: Schwimmbäder und Bibliotheken vor dem Aus?
Katarina Peranic 4. September 2009
Wie ehrenamtliche Helfer mit pfiffigen Ideen den Erhalt sichern
Neigt sich der Sommer dem Ende, stehen öffentliche Schwimmbäder in Deutschland auf dem Prüfstand. Auch andere kommunal finanzierte Objekte wie Bibliotheken und Jugendklubs werden einmal im Jahr einer Finanzanalyse unterzogen. Anhand von Finanz- und Bauzustands- sowie Aufwendungsanalysen entscheiden die Kommunen über den Fortbestand der Freizeiteinrichtung. Decken die Einnahmen nicht ausreichend den Kostenrahmen ab, droht oft das Aus. Denn die Gemeindekassen sind leer und die zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel reichen kaum aus, um die Kosten für den Erhalt der Bäder, Klubs und anderer öffentlicher Freizeitstätten aufzufangen.
Wie also die Schließung verhindern? Unterschriftenaktionen empörter Bürger sorgen zwar für eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit, sind aber kein Allheilmittel, um das Schlimmste abzuwenden. Und einen Investor zu finden, der langfristig das finanzielle Budget für den Erhalt der beliebten Freizeitstätte sichert, ist ein schwieriges Unterfangen. Mit dem richtigen Konzept und vielen ehrenamtlichen Helfern kann es allerdings gelingen, infrastrukturelle Objekt zu bewahren. Das dokumentieren bundesweite Projekte bürgerschaftlichen Engagements, die auf der Online-Plattform Weltbeweger zu finden sind. Die unter „Schwimmbad“, „Bibliothek“ oder „Jugendklub“ in der Suchanfrage erscheinenden Wege zeigen auf, wie durch den gemeinsamen Einsatz von Einwohnern und regionalen Unternehmen Freizeiteinrichtungen der Bevölkerung erhalten bleiben.
Die Mitglieder des Fördervereins van Ameren Bad Emden beweisen beispielsweise, dass auch ohne einen Cent öffentlicher Förderung mit Schwimmbädern Gewinne statt Verlustgeschäfte möglich sind.
In Nienburg-Holtdorf reichten über 4000 Unterschriften nicht aus, die drohende Schließung des Freibades am Dobben abzuwenden. Erst die drastische Senkung der Unterhaltskosten mit Hilfe von ehrenamtlichen Einsatzkräften und eine pfiffige Idee der Mitglieder des Fördervereins brachte den Durchbruch: Die jetzigen Pächter des Schwimmbades verzaubern es jedes Jahr in eine 1200 Quadratmeter große künstliche Eisfläche und sorgen so für Besucherströme zu fast jeder Jahreszeit.
In der Stadtteilbibliothek Bremerhaven-Lehe waren kurzerhand alle Bücher ausgeliehen. Mit dieser pfiffigen Aktion verhinderten Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums die Schließung der Bibliothek. Der clevere Schachzug und ein selbst entwickeltes Drei-Säulen-Modell überzeugte die Politiker. Seither ist die Stadt nur noch für die Unterhaltungskosten zuständig. Betrieb und Buchausleihe übernehmen die Schüler ehrenamtlich gemeinsam mit dem Förderverein, dessen Vorsitz stets ein Schüler führt.
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