Eine Nummer kleiner – die re:campaign 2011
Katarina Peranic 18. April 2011
Letzte Woche blickte alles auf die re:publica. Was gab es Neues aus der Blogosphäre in Sachen Netzpolitik, Urheberrecht oder Open Data? Weniger beachtet, aber mindestens ebenso interessant und durch den kleineren Maßstab um einiges kommunikativer: die re:campaign. Die kleine Schwester der großen Blogger-Tagung fand gleich im Anschluss in der Berliner Kalkscheune statt und versammelte rund 300 Online-Campaigner und solche, die es werden wollen.
Den Anfang machte am Samstag Patrick Meier, Director of Crisis Mapping, mit seiner Keynote. Getreu dem Motto „live maps are better than dead maps“ berichtete er, wie aus dem kenianischen Mappingprojekt Ushahidi eine weltweite Bewegung wurde, die Geodaten mit aktuellen Informationen verknüpft – egal, ob es um Strahlungsdaten in Japan geht oder aktuelle Kampfplätze in Libyen.
Den zweiten Teil des Warm-up übernahm Jilian C. York vom Berkman Center for Internet & Society. Sie sprach zum Thema Arabischer Frühling und machte dankenswerter Weise gleich im ersten Statement klar, dass wir keine Twitter- oder Facebook-Revolution in Tunesien und Ägypten gesehen haben. Sie beschrieb vielmehr, wie neue Medien geholfen haben, bestehende persönliche Netzwerke zu beschleunigen. Twitter und Facebook gehörten ohnehin zu den alltäglichen Kommunikationstools und wurden deshalb ganz selbstverständlich auch bei der Organisation der Proteste eingesetzt.
Die Planung der Sessions, also der einzelnen Vortrags- und Diskussionsrunden, auf einem Bar Camp ist immer auch ein Trendmesser, welche Themen gerade besonders heiß diskutiert werden. Insofern verriet die re:campaign ganz deutlich, dass Monitoring-Tools und Erfolgs- bzw. Impactmessung ganz oben auf der Liste der hot topics stehen. Ein weiterer Beleg für die Professionalisierung auch des dritten Sektors im Bereich neuer Medien. Man will nicht nur etwas machen, Kampagnen starten, es wird auch wichtiger zu erfahren, wie erfolgreiche Aktionen waren, wie viele Menschen erreicht wurden. Ironische Fußnote: Die wichtigste Session zu diesem Thema wurde von einem Teilnehmer angeboten, der aus der pharmazeutisch-chemischen Industrie kommt, der sein CSR-Projekt vorstellte.
Zusammen mit den weiteren Themen wie Open-Source-Kampagnen, Crowdfunding oder dem Einsatz von Video hat sich einmal mehr gezeigt, dass die re:campaign ganz zu Unrecht im Schatten der re:publica steht. Die kleine Schwester wird erwachsen.
Von Henrik Flor





